DON’T PANIC

DON’T PANIC

Natürlich hatte ich Angst. Und ich hatte Zweifel. Nicht die Chips – sondern die emotionalen, hässlichen und zermürbenden Zweifel. Die, die mir die Luft abschnürten. Angst, ob es mit der Selbständigkeit klappt? Kann ich jemals davon leben oder damit zumindest die Fixkosten decken? Ich hatte Zweifel, ob ich gut genug schreibe? Und auch Fristgerecht? Kennst du dieses Gefühl? Diese Ohnmacht, die dich in eine Ecke drängt. Die verhindert, dass du weder vor- noch rückwärts kannst? Mit der düsteren Ahnung, dass dir auch noch der Boden unter den Füssen weggezogen wird? Ich kenne diese Ängste, denn es waren meine bevor ich mich für die Selbständigkeit entschied. Ich bin gesprungen und habe den Schritt gewagt. Ich kann es dir nur empfehlen. Bis heute habe ich es nie bereut.

Ich war viele Jahre im Aussendienst. Der Kundenkontakt gefiel mir. Der stets grösser werdende Budgetdruck ohne Rücksicht auf die Wirtschaftslage und unverschuldeten Stornierung grosser Werbeetats, gefiel mir nicht. Mir wurde gekündigt. Eine persönliche Kriese brach über mich herein, wie ein Tsunami. Ich wurde arbeitslos – und das lange. Meine Existenz war ins Wanken geraten. Der Job war weg, die Wohnsituation in der WG nicht mehr tragbar. Der Nervenzusammenbruch war das klare Signal, dass es so nicht weiter ging. Doch ich hatte Glück im Unglück. Ich hatte ein stabiles soziales Umfeld: Eltern die mich unterstützen, Freunde zum Reden, einen Therapeuten, der mir half meine zersplitterte Persönlichkeit wieder zu reparieren.

Aus den Scherben meines Lebens, bastle ich mir eine Discokugel und tanze (Autor unbekannt)

Als ich wieder Fuss gefasst hatte, wollte ich dem Pfad meiner wahren Leidenschaft folgen. Ich fand eine passende Weiterbildung. Meine vermeintliche, und heute bestätigte, Berufung. Ich investierte Zeit, die ich hatte und Geld, das ich eigentlich nicht hatte, und erfüllte mir den Traum Texterin zu werden. Verläuft dein Leben nicht nach Plan, ist das Beste, was du tun kannst, die Flinte eben nicht ins Korn zu werfen. Sehe es als Chance und mach das Beste daraus.

Wenn dir das Leben Zitronen gibt, frag nach Salz und Tequila! (Autor unbekannt)

Wenn du Zeit hast, such nach Möglichkeit dir das benötigte Geld zu beschaffen. Nutze die Zeit um weiter zu kommen. Wenn du das Geld hast, suche nach Möglichkeit an die benötigte Zeit zu kommen.

Dass ich Talent hatte, bestätigten mir die Aussagen meines Umfeldes. Aber auch ich bin nicht vor Selbstzweifeln gefeit. Auch heute, nach vielen schönen erfolgreichen Aufträgen, noch nicht. Diese Selbstzweifel zu managen lernen, ist wohl eine Lebensaufgabe.

Ich benötigte noch zwei weitere Jahre und Stellen im Aussendienst, bis ich die Weiterbildung 2015/2016 beim 2. Anlauf durchzog. Ich schloss die Tür «Kundenberaterin im Aussendienst» definitiv hinter mir. Nahm an der eidgenössischen Prüfung teil und bestand. Ein Sommer voll des Lernens und der Selbstdisziplin hatten mich an mein Ziel gebracht. Ich bewarb mich auf Stellen als Werbetexterin, doch es kam kaum zu Vorstellungsgesprächen und eine Festanstellung nirgends in Sicht. Ich überlegte mir einen Plan-B, denn meine Aussteuerung stand vor der Tür und mit dieser sehr düstere erneute Existenzängste.

Ein Lichtblick gab es am Horizont: Meine Anstellung als Deutschlehrerin in der Erwachsenenbildung die ich schon zu RAV-Zeit hatte. Der Job gefiel und lag mir und meinen Kursteilnehmenden gefiel mein Unterricht. Es gab die Möglichkeiten Stellvertretungen zu übernehmen und damit schaffte ich es meine Fixkosten zu decken. Für etwas hatte ich aber auch meine Weiterbildung gemacht. Ein Texter-Praktikum kam verdiensttechnisch nicht in Frage. Eine Junior-Texter-Stelle, tönte interessant, die Verdienstmöglichkeiten waren jedoch das Killerkriterium. Ich wollte weiterkommen, nicht Stillstand. Was blieb?

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht (Franz Kafka)

Die Selbständigkeit! Ich hatte keinen Bock mehr auf Idioten von Chefs, die mich weder förderten noch mir konstruktives Feedback geben konnten. Ich selbstbestimmt arbeiten, wann und wie ich es wollte. Dafür war ich bereit viel, sehr viel zu arbeiten. Bis in die Nacht und den Morgen hinein, auch am Wochenende. Dies gab für mich den entscheidenden Ausschlag. Ich wollte begeistern! Mit Texten und mit Webseiten. Es gab zu viele schlechte Texte. Und es gab zu viele veraltete, unübersichtliche oder benutzerunfreundlich Webseiten. Das konnte ich nicht ignorieren. Optimierungsbedarf war überall. Mit der Entscheidung für die Selbständigkeit, entschloss ich mich diesen Bedarf in Angriff zu nehmen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Ich machte mich selbständig! Denn am Ende meines Lebens will ich lieber bedauern, was ich wagte und versagte, als dass ich die Frage mit ins Grab nehme: «Hätte ich es geschafft?!»

Was ist mit dir? Wer gewinnt: Deine Angst oder deine Abenteuerlust? DON’T PANIC – auch für dich gibt es Möglichkeiten, wenn du es wirklich willst! Du bist nur eine Entscheidung davon entfernt.

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